Steuerberater für Unternehmensberatung & Controlling 2026
Betriebswirtschaftliche Beratung und Controlling gehören in Österreich zum gesetzlichen Berechtigungsumfang des Steuerberaters (§ 2 WTBG 2017) – eine zusätzliche Gewerbeberechtigung ist dafür nicht nötig. In der Praxis bedeutet das vor allem Kennzahlenanalyse, Liquiditätsplanung, Budgetierung und im Ernstfall Sanierungsberatung, aufbauend auf den ohnehin vorliegenden Buchhaltungsdaten. Über 3.500 Kanzleien im Steuerpedia-Verzeichnis führen diese Spezialisierung.
Aktualisiert am
27. Juli 2026
Geo-Fokus
Wien, Graz, Linz + Österreich

Kurz zusammengefasst
Die wichtigsten Punkte vorab
Betriebswirtschaftliche Beratung und Controlling zählen laut § 2 WTBG 2017 zum gesetzlichen Berechtigungsumfang des Steuerberaters – eine separate Gewerbeberechtigung ist dafür nicht nötig.
Controlling ist zukunfts- und planungsorientiert (Soll-Ist-Vergleich, Steuerung) und baut auf den Buchhaltungsdaten auf – anders als die reine, vergangenheitsorientierte Buchhaltung.
Eine offizielle Honorartabelle speziell für Controlling-Beratung gibt es nicht; sie wird meist zum Stundensatz für Spezial- und Senior-Beratung abgerechnet, nicht als Buchhaltungs-Pauschale.
Bei der Auswahl zählt vor allem, ob Controlling aktiv angeboten wird oder nur auf Nachfrage passiert – und wie regelmäßig berichtet wird.
Kurzantwort: Betriebswirtschaftliche Beratung und Controlling gehören in Österreich zum gesetzlichen Berechtigungsumfang des Steuerberaters (§ 2 WTBG 2017) – eine eigene Gewerbeberechtigung braucht es dafür nicht. In der Praxis heißt das vor allem Kennzahlenanalyse, Liquiditätsplanung, Budgetierung und im Ernstfall Sanierungsberatung, aufbauend auf den ohnehin vorliegenden Buchhaltungsdaten. Eine amtliche Honorartabelle dafür gibt es nicht; abgerechnet wird meist zum höheren Spezialberatungs-Stundensatz, nicht zur Buchhaltungs-Pauschale.
Dürfen Steuerberater überhaupt Unternehmensberatung anbieten?
Ja – und das ist keine Grauzone, sondern gesetzlich verankert. Das Wirtschaftstreuhandberufsgesetz 2017 (WTBG 2017, BGBl. I Nr. 137/2017) zählt im § 2 Berechtigungsumfang – Steuerberater mehrere betriebswirtschaftliche Tätigkeiten ausdrücklich zum Berufsbild:
- § 2 Abs. 1 Z 6: Erstattung von Sachverständigengutachten auf Gebieten, „zu deren fachmännischer Beurteilung Kenntnisse des Rechnungswesens oder der Betriebswirtschaftslehre erforderlich sind".
- § 2 Abs. 2 Z 2: „sämtliche Beratungsleistungen und Tätigkeiten im Zusammenhang mit dem betrieblichen Rechnungswesen und die Beratung betreffend Einrichtung und Organisation des internen Kontrollsystems" – inhaltlich der Kern von Controlling, auch wenn das Wort im Gesetz nicht wörtlich vorkommt.
- § 2 Abs. 2 Z 4: Sanierungsberatung, „insbesondere die Erstellung von Sanierungsgutachten, Organisation von Sanierungsplänen, Begutachtung von Sanierungsplänen und die begleitende Kontrolle bei der Durchführung von Sanierungsplänen" – eine klassische Unternehmensberatungsleistung.
Wichtig für die Rechtslage: Wirtschaftstreuhandberufe sind als freier Beruf ausdrücklich vom Anwendungsbereich der Gewerbeordnung ausgenommen. Steuerberater brauchen für diese Beratungstätigkeit also keine zusätzliche Gewerbeberechtigung „Unternehmensberatung und Unternehmensorganisation" – das ist ein eigenständiges, reglementiertes Gewerbe nach der Gewerbeordnung für Berater ohne Steuerberater-Befugnis. Auch die Wirtschaftskammer Österreich lässt daran keinen Zweifel: Steuerberater „beraten und vertreten in Steuerfragen und in betriebswirtschaftlichen Angelegenheiten" und übernehmen etwa die betriebswirtschaftliche Beratung bei Investitionsentscheidungen (Quelle: WKO – Der Unternehmer und sein steuerlicher Berater).
Buchhaltung, Rechnungswesen, Controlling: Was ist eigentlich der Unterschied?
Im Alltag werden die drei Begriffe gern durcheinandergeworfen. Gemeint ist damit aber nicht dasselbe:
| Bereich | Zeitbezug | Kernfrage |
|---|---|---|
| Buchhaltung / Rechnungswesen | Vergangenheitsorientiert | Was ist tatsächlich passiert? (Dokumentationspflicht, Ist-Werte) |
| Controlling | Zukunfts- und planungsorientiert | Wo stehen wir im Vergleich zum Plan – und wo müssen wir gegensteuern? |
| Unternehmensberatung (weiter gefasst) | Strategisch, fallweise | Welche strukturelle Entscheidung ist jetzt richtig? (z. B. Sanierung, Investition, Nachfolge) |
Eine gesetzliche Definition von „Controlling" gibt es nicht – das ist eingespielter Fachsprachgebrauch, keine amtliche Begriffsbestimmung. Fachlich unstrittig ist aber: Controlling baut auf den Buchhaltungsdaten auf und macht sie erst für Steuerungsentscheidungen nutzbar, etwa über Soll-Ist-Vergleiche.
Was macht ein Steuerberater im Bereich Controlling konkret?
Dahinter steckt in der Praxis meist eine Auswahl aus den folgenden Leistungen. Wie viel davon eine Kanzlei tatsächlich aktiv anbietet, ist allerdings von Haus zu Haus verschieden:
- Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA): Regelmäßige Kurzauswertung von Umsatz, Kosten und Ergebnis, meist monatlich.
- Kennzahlenanalyse: Rentabilität, Liquiditätskennzahlen, Eigenkapitalquote im Zeitverlauf und im Vergleich zur Planung.
- Liquiditätsplanung: Vorschau auf Ein- und Auszahlungen, um Engpässe frühzeitig zu erkennen statt erst beim Kontostand zu reagieren.
- Budgetierung: Soll-Werte für das kommende Jahr oder Quartal, gegen die laufend abgeglichen wird.
- Internes Kontrollsystem: Beratung zu Einrichtung und Organisation von Prozessen, die Fehler und Unregelmäßigkeiten frühzeitig sichtbar machen (§ 2 Abs. 2 Z 2 WTBG).
- Sanierungsberatung: Sanierungsgutachten und -pläne sowie begleitende Kontrolle bei deren Umsetzung, wenn es wirtschaftlich eng wird (§ 2 Abs. 2 Z 4 WTBG).
Worauf du bei der Auswahl achten solltest
Rechtlich darf jeder Steuerberater betriebswirtschaftlich beraten. Nur tut das eben nicht jeder aktiv – ein genauerer Blick lohnt sich also:
- Aktives Angebot statt Reaktion auf Nachfrage: Gibt es einen festen Reporting-Rhythmus (z. B. monatliche BWA-Besprechung) oder wird nur auf explizite Anfrage beraten?
- Branchenerfahrung: Kennzahlen und Benchmarks unterscheiden sich stark zwischen Branchen – eine Kanzlei mit Erfahrung in deinem Bereich ordnet Abweichungen realistischer ein.
- Digitale Tools: Moderne Controlling-Beratung arbeitet meist mit Dashboards oder Auswertungs-Software statt reinen PDF-Tabellen – frag nach dem konkreten Reporting-Format.
- Klare Trennung der Honorare: Weil Controlling-Beratung meist zum höheren Stundensatz läuft (siehe unten), sollte vorab klar sein, was in der laufenden Buchhaltungs-Pauschale enthalten ist und was separat verrechnet wird.
- Referenzen zu Sanierungs- oder Wachstumsfällen: Wenn du absehbar in eine kritische Phase kommst, ist einschlägige Erfahrung mehr wert als ein niedriger Stundensatz.
Kanzleien, die diese Spezialisierung führen, findest du über unsere Suche nach Steuerberatern für Unternehmensberatung & Controlling – aktuell über 3.500 Kanzleien im Verzeichnis.
Was kostet Unternehmensberatung & Controlling beim Steuerberater?
Eine eigene amtliche Honorartabelle speziell für Controlling-Beratung gibt es nicht – wie bei allen Steuerberater-Leistungen in Österreich sind Honorare seit Aufhebung der früheren Honorargrundsätze für Wirtschaftstreuhänder frei verhandelbar (mehr dazu in unserem Beitrag Was kostet ein Steuerberater?). In der Praxis zeichnet sich aber eine klare Tendenz ab: Weil Controlling-Beratung fachlich anspruchsvoller ist als reines Verbuchen, wird sie in der Regel nicht über die günstige Buchhaltungs-Pauschale, sondern zum Stundensatz für Spezial- und Senior-Beratung abgerechnet – orientativ EUR 225–360 netto pro Stunde, statt EUR 55–100 für reine Buchhaltung. Frag daher vorab konkret nach, ob Controlling-Auswertungen im laufenden Pauschalhonorar enthalten sind oder gesondert verrechnet werden.
Wann lohnt sich diese Spezialisierung besonders?
Nicht jedes Unternehmen braucht laufendes Controlling. Besonders wichtig wird es typischerweise in diesen Situationen:
- Wachstums- oder Investitionsphase: Wenn Entscheidungen über neue Standorte, Mitarbeiter oder größere Investitionen anstehen, hilft eine belastbare Zahlenbasis statt Bauchgefühl.
- Mehrere Projekte oder Standorte parallel: Ohne strukturiertes Reporting wird schnell unklar, welcher Bereich tatsächlich profitabel ist.
- Sinkende Liquidität: Eine rollierende Liquiditätsplanung zeigt Engpässe Wochen im Voraus statt erst beim leeren Konto.
- Vor einer Betriebsprüfung, Nachfolge oder Sanierung: Hier zahlt sich einschlägige Erfahrung besonders aus – Details zur allgemeinen Vorbereitung findest du in Wann brauche ich einen Steuerberater?
Wenn du dich noch in der Gründungsphase befindest und diese Fragen erst später relevant werden, findest du die dafür passenderen Grundlagen in Steuerberater für Gründer: Was du wissen musst.
Fazit
Betriebswirtschaftliche Beratung ist kein Zusatzgeschäft außerhalb der Steuerberatung, sondern gesetzlich Teil davon – die Frage ist nicht, ob dein Steuerberater das darf, sondern ob er es aktiv anbietet. Wer regelmäßiges Reporting, Liquiditätsplanung oder im Ernstfall Sanierungsberatung braucht, sollte gezielt nach dieser Spezialisierung suchen statt sie stillschweigend vorauszusetzen.
Passende Kanzleien mit Schwerpunkt Unternehmensberatung & Controlling findest du über unsere Beratersuche für Österreich oder starte mit dem Berater-Matching.
Stand & Methodik: Juli 2026. Die Rechtsgrundlage (Berechtigungsumfang, Gewerbeordnungs-Ausnahme) stammt aus dem Originaltext des Wirtschaftstreuhandberufsgesetzes 2017 (WTBG 2017), BGBl. I Nr. 137/2017, die Einordnung zum betriebswirtschaftlichen Beratungsauftrag von der Wirtschaftskammer Österreich. Für „Controlling" als Begriff und für Controlling-spezifische Honorare existiert keine amtliche Definition bzw. Tarifquelle – die genannten Stundensätze sind Richtwerte aus unserem Kosten-Ratgeber, kein gesetzlicher Tarif. Dieser Beitrag ist allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Unternehmensberatung.
FAQ
Häufige Fragen zu diesem Thema
Dürfen Steuerberater in Österreich überhaupt Unternehmensberatung anbieten?
Ja. Betriebswirtschaftliche Beratung ist Teil des gesetzlichen Berechtigungsumfangs des Steuerberaters nach § 2 Wirtschaftstreuhandberufsgesetz 2017 (WTBG 2017) – etwa sämtliche Beratungsleistungen im Zusammenhang mit dem betrieblichen Rechnungswesen und dem internen Kontrollsystem (§ 2 Abs. 2 Z 2) sowie Sanierungsberatung (§ 2 Abs. 2 Z 4). Eine zusätzliche Gewerbeberechtigung 'Unternehmensberatung und Unternehmensorganisation' nach der Gewerbeordnung brauchen Steuerberater dafür nicht, weil Wirtschaftstreuhandberufe als freier Beruf von der Gewerbeordnung ausgenommen sind.
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Buchhaltung und Controlling?
Buchhaltung ist vergangenheitsorientiert: Sie dokumentiert, was bereits passiert ist. Controlling ist zukunfts- und planungsorientiert: Es vergleicht Soll- mit Ist-Werten, plant Liquidität und Budgets und dient der internen Steuerung – baut dabei aber auf den Buchhaltungsdaten auf. Eine gesetzliche Definition von 'Controlling' gibt es nicht, das ist eingespielter Fachsprachgebrauch, keine amtliche Begriffsbestimmung.
Was kostet Controlling-Beratung beim Steuerberater?
Eine eigene amtliche Honorartabelle für Controlling gibt es nicht – wie bei allen Steuerberater-Honoraren in Österreich sind sie frei verhandelbar. In der Praxis wird diese Beratung meist zum Stundensatz für Spezial- und Senior-Beratung abgerechnet (orientativ EUR 225–360 netto pro Stunde), nicht zur günstigeren Buchhaltungs-Pauschale. Details und die vollständige Preisstaffelung findest du in unserem Beitrag Was kostet ein Steuerberater?
Ist jeder Steuerberater automatisch auch ein guter Controlling-Berater?
Rechtlich darf jeder Steuerberater betriebswirtschaftlich beraten – in der Praxis bieten das aber nicht alle Kanzleien aktiv und regelmäßig an. Ob Controlling eine echte Spezialisierung mit eigenem Reporting-Rhythmus ist oder nur reaktiv auf Nachfrage passiert, ist ein wichtiger Unterschied bei der Auswahl.
Wann lohnt sich Controlling-Beratung besonders?
Vor allem in Wachstums- oder Investitionsphasen, bei mehreren parallelen Projekten oder Standorten, bei sinkender Liquidität sowie im Vorfeld einer Betriebsprüfung, Unternehmensnachfolge oder Sanierung – überall dort, wo reine Ist-Zahlen aus der Buchhaltung nicht mehr reichen, um rechtzeitig gegenzusteuern.
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Hinweis: Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen für Österreich und ersetzt keine individuelle steuerliche Beratung.