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Wann brauche ich einen Steuerberater? Pflicht ab 700.000 €

Ein Steuerberater ist in Österreich nicht generell Pflicht – verpflichtend wird professionelle Unterstützung erst ab bestimmten Schwellen wie der unternehmensrechtlichen Rechnungslegungspflicht nach § 189 UGB (ab 700.000 Euro Umsatzerlösen). Schon deutlich früher lohnt sich ein Steuerberater oft, sobald GmbH-Themen, Mitarbeiter, Immobilien, Auslandsbezug oder eine Betriebsprüfung dazukommen.

Aktualisiert am

21. August 2026

Geo-Fokus

Österreich

Illustration zur Entscheidung zwischen Selbstverwaltung und Steuerberatung in Österreich

Kurz zusammengefasst

Die wichtigsten Punkte vorab

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Für einfache EPUs ist ein Steuerberater nicht immer Pflicht, aber oft ein Qualitäts- und Zeitgewinn.

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Verpflichtend wird professionelle Unterstützung spätestens mit der Rechnungslegungspflicht nach § 189 UGB – ab 700.000 Euro Umsatzerlösen in zwei aufeinanderfolgenden Jahren, bei über 1.000.000 Euro bereits im Folgejahr.

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Sobald Mitarbeiter, GmbH-Themen, Immobilien oder Auslandsbezug dazukommen, steigt der Nutzen deutlich – unabhängig von der gesetzlichen Pflicht.

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Die Entscheidung hängt nicht nur von Steuern, sondern auch von Risiko, Zeitbudget und Wachstum ab.

Kurzantwort: Eine generelle Pflicht zum Steuerberater gibt es in Österreich nicht. Verpflichtend wird er erst durch bestimmte Schwellen – vor allem die Rechnungslegungspflicht ab 700.000 Euro Umsatzerlösen (§ 189 UGB). Schon deutlich früher lohnt er sich meist, sobald GmbH, Mitarbeiter, Immobilien, Auslandsbezug oder eine Betriebsprüfung ins Spiel kommen.

Gibt es eine gesetzliche Pflicht zum Steuerberater?

Eine allgemeine Pflicht, einen Steuerberater zu beauftragen, kennt das österreichische Recht nicht. Was es gibt, sind Umsatzschwellen, ab denen die unternehmensrechtliche Rechnungslegungspflicht nach § 189 UGB greift – und damit doppelte Buchführung statt einfacher Einnahmen-Ausgaben-Rechnung nötig wird. Ab diesem Punkt ist Selbermachen zwar formal weiterhin erlaubt, in der Praxis aber kaum mehr realistisch.

Auslöser Rechnungslegungspflicht ab Rechtsgrundlage
Umsatzerlöse über 700.000 Euro in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahrendem übernächsten Geschäftsjahr§ 189 Abs. 1 Z 3 iVm Abs. 2 Z 1 UGB
Umsatzerlöse über 1.000.000 Euro in einem einzigen Geschäftsjahrdem folgenden Geschäftsjahr§ 189 Abs. 1 Z 3 iVm Abs. 2 Z 2 UGB
Kapitalgesellschaft (z. B. GmbH)Gründung an, unabhängig vom Umsatz§ 189 Abs. 1 Z 1 UGB

Quelle für die Schwellenwerte: Wirtschaftskammer Österreich – Betriebliches Rechnungswesen. Wichtig: Ein Steuerberater selbst darf mehr als ein Buchhalter – etwa dich vor dem Finanzamt vertreten oder Beschwerden gegen Bescheide einbringen. Details dazu in unserem Ratgeber Was kostet ein Steuerberater?

Wann sich ein Steuerberater in der Praxis lohnt

Lange bevor eine gesetzliche Pflicht entsteht, zahlt sich professionelle Unterstützung oft schon aus – nicht weil du sie brauchst, sondern weil sie Fehler und Zeit spart:

  • GmbH-Gründung oder -Führung: Rechtsformwahl, laufende Bilanzierung und Ausschüttungen sind fehleranfällig, wenn du sie ohne Erfahrung selbst planst. Was dabei zu beachten ist, zeigt unser Ratgeber Steuerberater für Gründer; passende Kanzleien findest du über Steuerberater für Start-ups & Gründer.
  • Mitarbeiter und Lohnverrechnung: Sobald du Personal einstellst, kommen monatliche Meldefristen und arbeitsrechtliche Details dazu – etwa die korrekte Abrechnung einer steuerfreien Mitarbeiterprämie 2026. Spezialisierte Kanzleien dafür listet unsere Suche für Lohnverrechnung & Personalwesen.
  • Immobilien oder Vermietung: Abschreibung, Vorsteuerabzug und Liebhaberei-Fragen sind Spezialthemen mit hohem Fehlerpotenzial – mehr dazu im Ratgeber Steuerberater für Immobilien & Vermietung. Passende Kanzleien findest du bei Steuerberatern für Immobilien in deiner Nähe.
  • Auslandsbezug: Grenzüberschreitende Umsätze, Reverse Charge oder Doppelbesteuerungsabkommen sind ohne Fachwissen kaum sicher zu beurteilen – siehe Kanzleien für Internationales Steuerrecht.
  • Betriebsprüfung oder Umgründung: Hier geht es um bestehende Verpflichtungen und Fristen – Vertretung vor der Finanz darf ohnehin nur ein Steuerberater übernehmen.
  • Ärzte und andere Gesundheitsberufe: Umsatzsteuerbefreiung, die FSVG-Sozialversicherung statt des GSVG und die Rechtsformvorgaben für Gruppenpraxen sind Spezialthemen, die ein allgemeiner Steuerberater nicht zwangsläufig kennt – mehr dazu in Steuerberater für Ärzte & Gesundheitsberufe.
  • Gastronomie oder Hotellerie: Die Umsatzsteuer-Abgrenzung zwischen Speisen und Getränken, Registrierkassenpflicht und die Gastgewerbepauschalierung sind eigene Spezialthemen – mehr dazu in Steuerberater für Gastronomie & Hotellerie.

Wann du (vorerst) ohne Steuerberater auskommst

Umgekehrt reicht in manchen Konstellationen Selbermachen oder eine einfache Lösung völlig aus:

  • Kleinunternehmer unter der Umsatzgrenze: Bleibst du unter der Kleinunternehmergrenze von 55.000 Euro brutto Jahresumsatz (seit 1.1.2025, 10 % Toleranz bis 60.500 Euro), bist du in der Regel umsatzsteuerbefreit und die Verwaltung bleibt überschaubar.
  • EPU mit einfacher Einnahmen-Ausgaben-Rechnung: Wenige Belege, keine Mitarbeiter, keine Spezialthemen – das lässt sich mit guter Software oft selbst organisieren.
  • Reine Arbeitnehmerveranlagung: Für den klassischen Lohnsteuerausgleich reichen FinanzOnline oder die Arbeiterkammer meist aus – Details dazu in Steuererklärung vom Steuerberater machen lassen.

Kommt einer der Punkte aus dem vorigen Abschnitt dazu, kippt diese Rechnung oft schneller als gedacht. Deshalb lohnt sich ein regelmäßiger Check – nicht nur eine einmalige Entscheidung am Anfang.

Hybrid-Modelle: teilweise selbst, teilweise auslagern

Zwischen „alles selbst" und „alles auslagern" gibt es einen breiten Mittelweg: Viele EPUs und kleine GmbHs erfassen Belege digital selbst und lassen nur Jahresabschluss, Steuererklärung oder komplexe Einzelfragen von der Steuerberatung prüfen. Das drückt die laufenden Kosten, ohne ausgerechnet dort zu sparen, wo ohnehin nur ein Steuerberater ran darf. Wie du diese Abwägung im Detail triffst, zeigt unser Ratgeber Buchhaltung auslagern oder selbst machen?

Checkliste: An diesen Punkten solltest du spätestens handeln

  1. Du planst eine GmbH-Gründung oder eine andere Kapitalgesellschaft.
  2. Du stellst die erste Mitarbeiterin oder den ersten Mitarbeiter ein.
  3. Deine Umsatzerlöse nähern sich 700.000 Euro pro Jahr.
  4. Du kaufst eine Immobilie oder beginnst mit Vermietung.
  5. Du erzielst erstmals Umsätze im Ausland.
  6. Du erhältst ein Schreiben zur Betriebsprüfung oder eine Aufforderung des Finanzamts, die du nicht einordnen kannst.

Falls du speziell als Gründer noch am Anfang stehst, findest du weiterführende Details in Steuerberater für Gründer: Was du wissen musst. Wenn du direkt vergleichen willst, was Kanzleien für dein Mandat verlangen, hilft unser Kosten-Ratgeber. Und wenn bei dir eher Wachstum, mehrere Standorte oder eine wirtschaftlich enge Phase anstehen, lohnt sich ein Blick in Steuerberater für Unternehmensberatung & Controlling – dort erfährst du, was Steuerberater über die reine Buchhaltung hinaus dürfen und leisten.

Fazit

Die Steuerberater-Frage ist selten eine reine Ja-oder-Nein-Entscheidung. Rechtlich verpflichtend wird sie erst mit klaren Schwellen wie der Rechnungslegungspflicht nach § 189 UGB oder der Gründung einer Kapitalgesellschaft. Wirtschaftlich sinnvoll ist sie oft schon deutlich früher – immer dann, wenn Komplexität, Risiko oder Zeitaufwand stärker steigen als das, was eine einfache Selbstverwaltung noch zuverlässig abdeckt.

Wenn du dich für externe Unterstützung entscheidest, vergleiche passende Kanzleien über unsere Beratersuche für Österreich oder starte mit dem Berater-Matching.

Stand & Methodik: August 2026. Die Schwellenwerte zur Rechnungslegungspflicht (§ 189 UGB) stammen von der Wirtschaftskammer Österreich, die Kleinunternehmergrenze von der WKO-Kleinunternehmerregelung (Stand seit 1.1.2025). Dieser Beitrag ist allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Steuerberatung.

FAQ

Häufige Fragen zu diesem Thema

Brauche ich als EPU in Österreich zwingend einen Steuerberater?

Nein. Für sehr einfache Konstellationen ist das nicht zwingend. Sobald Umsatz, Belegmenge oder Spezialthemen zunehmen, wird externe Unterstützung aber oft wirtschaftlich sinnvoll.

Ab welchem Umsatz bin ich gesetzlich zur doppelten Buchführung verpflichtet?

Ab 700.000 Euro Umsatzerlösen in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren greift die unternehmensrechtliche Rechnungslegungspflicht nach § 189 UGB ab dem übernächsten Jahr. Übersteigen die Umsatzerlöse in einem einzigen Jahr 1.000.000 Euro, beginnt die Pflicht bereits im Folgejahr. Kapitalgesellschaften wie die GmbH sind unabhängig vom Umsatz immer rechnungslegungspflichtig.

Was hat die Kleinunternehmergrenze mit der Steuerberater-Frage zu tun?

Seit 1. Jänner 2025 liegt die umsatzsteuerliche Kleinunternehmergrenze bei 55.000 Euro brutto pro Jahr (10 % Toleranz bis 60.500 Euro). Unterhalb dieser Grenze bist du in der Regel von der Umsatzsteuer befreit und kommst mit einfacherer Verwaltung aus. Überschreitest du sie, kommen Umsatzsteuervoranmeldungen dazu – ab hier steigt der praktische Nutzen einer laufenden Beratung spürbar.

Ab wann sollte ich spätestens mit einem Steuerberater sprechen?

Spätestens vor einer GmbH-Gründung, vor der Aufnahme von Mitarbeitern oder wenn internationale Umsätze, Immobilien oder größere Investitionen anstehen. Auch ein Schreiben zur Betriebsprüfung ist ein klares Signal, nicht mehr allein weiterzumachen.

Kann ich Buchhaltung selbst machen und nur den Abschluss auslagern?

Ja, das ist ein typisches Hybrid-Modell. Wichtig ist nur, dass Prozesse, Unterlagen und Verantwortlichkeiten sauber geklärt sind.

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Hinweis: Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen für Österreich und ersetzt keine individuelle steuerliche Beratung.